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22.Juli 2015
Gespenstisch zeigte sich in den frühen Morgenstunden eine einzigartige ausladende Gerölllandschaft, aus der sich vereinzeltes Buschwerk, Grasbüschel und kleinere Schirmakazien reckten.
Wie ein mächtiger Geist ragte am Horizont die spärlich mit Schnee bedeckte Krone des Kilimanjaros aus einem breiten Nebelband gen Himmel. Wir holperten mit unserem Landcruiser über eine staubige Piste unserer ersten Pirsch an diesem Tag entgegen.
Die Silhouette der Landschaft änderte sich allmählich. Mächtige Schirmakazien und ihre verdorrten Artgenossen, die wie Gerippe ausgestreckt zu ihren Füßen im Staub lagen, prägten ein urzeitliches Bild vor einem bläulich-roten Morgenhimmel. Eine Herde Zebras trabte im Angesicht dieser imposanten Bäume, eingehüllt in einem Potpourri aus Dunst und Staub, entlang.
Die Sonne gewann schnell an Stärke und verdrängte diese morgendliche Idylle. Was blieb, waren die schwarz-weißen Geister, eingehüllt in die von ihnen aufgewirbelten Staubwolken.
Ein Sekretär, der nach Beute auf den Boden spähend über unseren Weg stakte, zwang uns zum Stehenbleiben. Die Beute hielt sich allerdings gut versteckt. Wir litten mit dem Vogel, der allem Anschein nach noch etwas auf sein Frühstück warten musste. Ihm viel Glück wünschend, zogen wir weiter.
Eine weitläufige Savanne mit goldgelbem Grasteppich löste die urzeitliche Landschaft ab.
Einige Zebras und Gnus prägten das Landschaftsbild. Wie schon in der Masai Mara war dieser Herdenverbund auch hier im Amboseli Nationalpark oft anzutreffen. Er bot sich als dankbares Fotomotiv in diesen frühen Morgenstunden an.
Im weiteren Verlaufe unserer Pirsch trafen wir auf einen einzelnen Strauß. Er stakte durch ein Meer hüfthohen Savannengrases, zwischen mannshohem Buschwerk, das wie kleine grüne Inseln gen Himmel wuchs. Am Horizont verlor sich die
Landschaft ins Nebulöse; schemenhaft streckten sich einige Hügel ins Firmament.
Auch einige Goliathreiher und Kronenkraniche, die allesamt suchend durch die Savanne pickten, boten sich an diesem Morgen als interessante Motive an.
Die Sehnsucht nach den noch Fehlenden der Big-Five-Familie, Nashorn und Leopard, ließ uns zu ruhelosen Gesellen werden, trieb uns immer wieder vorwärts. Der Tag war Gott sei Dank noch sehr jung, die Erwartung sehr hoch.
Mittlerweile löste saftig grüne Sumpflandschaft die goldgelbe Savanne ab. Eine Hippo-Familie, zwei erwachsene Flusspferde mit Teenager, graste gemächlich durch die grüne Köstlichkeit. Es dauerte nicht lange, da konnten wir Unstimmigkeiten zwischen dem Jungtier und einem der Erwachsenen erkennen. Das Junge rannte mit offenem Maul in Richtung des einen erwachsenen Flusspferdes, welches ihm mit weit aufgerissener Schnauze entgegentrat. Wir glaubten, jeden Augenblick bricht eine Katastrophe herein, in der Form, dass das Jungtier zerrissen würde. Doch dieses bremste kurz vor dem gewaltigen Großen ab, rannte zurück, nahm erneut Anlauf und sprintete wieder in Richtung des Erwachsenen. Dies wiederholte der Kleine einige Male, dann bremste es plötzlich abrupt kurz vor dem Riesen ab. Nun standen sich die zwei Tiere mit weit aufgerissenen Mäulern gegenüber. Es schien, als würden sie sich anbrüllen. Leider waren wir zu weit weg vom Geschehen, so dass wir die Laute nicht wahrnehmen konnten. Es passierte Gott sei Dank nichts. Irgendwann ließ der Kleine ab und trottete gemütlich zu dem anderen Flusspferd hinüber.
Es war nicht der einzige Highlight an diesem frühen Morgen. Auf der Rückreise zum Resort (das Frühstück wartete), trafen wir auf ein Schabrackenschakalpärchen. Der eine Schakal schleppte ein zuvor gerissenes Thomsongazellenbaby mit seiner Schnauze in Sicherheit, denn es gab Futterneider. Ein Savannenadler und ein Weißbürzel-Singhabicht fochten in einem atemberaubenden Luftkampf knapp über dem Boden aus, wer als erster zur Attacke auf den Leckbissen schreiten darf. Der zweite Schakal belauerte aufmerksam die Szenerie am Rande des Geschehens, ohne Anstalten zu machen, seinem Kompagnon zu helfen.
Wir beobachteten eine geraume Zeit die Gesellschaft um das gerissene Beutetier. Letztendlich siegten die Schakale, die Raubvögel waren zu sehr mit sich selbst beschäftigt.
Das Frühstück war schnell eingenommen. Bis zur nächsten Pirsch hatten wir noch etwas Zeit. Die Kinder verschwanden in ihrem Bungalow; Dorit und ich entschlossen uns zu einem kleinen Spaziergang durch das weitläufige Resort, denn dieses hatte einen herrlich angelegten Park.
Dorit huschte zwischen den von kleinen Findlingen begrenzten Beeten und bestaunte die bunte Pracht; kleine Teichanlagen lockerten den Park etwas auf. Ich wäre Biologe oder Botaniker, wenn ich an dieser Stelle die farbige Vielfalt der Fauna dieses Parks erläutern könnte. Das Ambiente gepaart mit dem Stimmenkonzert der Tiere und einer leichten Brise, die sonderbare Düfte um unsere Nasen wehte, versetzte uns unter einem wolkenlosen, stahlblauen afrikanischen Himmel in Trance: Es war einfach märchenhaft. Ein Gecko jagte pfeilschnell über den mit flachen Bruchsteinen gepflasterten Gehweg ins gegenüberliegende Beet und machte es sich auf einem von der Morgensonne aufgeheizten Stein bequem. Meerkatzen huschten aufgeregt in den Kronen der Bäume von einem Ast zum anderen. Sicherlich waren wir die Ursache dieses Affentheaters.
Wir vergaßen die Zeit. Als ich auf die Uhr schaute, hatten wir nur noch eine viertel Stunde bis zur Abfahrt. Das hieß: Spurten, frisch machen, Kameraausrüstung und Kinder schnappen und dann ab zum Treffpunkt.
Wir schafften es. Leicht abgehetzt kletterten wir in den Landcruiser und einige Minuten später tuckerten wir wieder über eine staubige Piste in die Savanne hinaus ins Abenteuer.
Caleb brachte uns zu einem sehr weitläufigen Sumpfgebiet. Es sah mit seinen zahlreichen Wasserlöchern aus wie ein riesiger Schweizer Käse. Wie Keile trieben sich diese grünen Oasen der Savanne in eine mit spärlich trockenem Gras überwucherte Staublandschaft. Vor einer solchen grünen Insel trafen wir auf einige Flusspferde, die es vorzogen, im Staub zu baden. Eines der Tiere wollte das kühle Nass des Sumpfes nicht mit einem staubigen Bad tauschen. Es stand bis zur Brust etwas abseits von seinen Artgenossen im Sumpf und schaute etwas verdattert zu Seinesgleichen herüber.
Ein Stück weiter des Weges, die Sumpflandschaft nahm mittlerweile eine beachtliche Fläche des Gebietes ein, vergnügte sich eine Elefantenherde mit ihren Jungen, die kaum aus dem Morast herausragten. Aber auch die erwachsenen Tiere zeigten nur Rücken, Kopf und Rüssel. Es sah aus, als würden sie jeden Augenblick auf Nimmerwiedersehen versinken.
Etwas abseits dieser Herde, am Rande des Morastes, graste eine Elefantenkuh mit ihrem Elefantenbaby, das für den Sumpf noch zu klein schien.
Es entstanden herrliche Fotos. So schön es auch war: Irgendwann trieb uns die Sehnsucht nach den letzten Tieren unserer Big-Five-Familie weiter. Je länger wir fuhren, umso mehr gewann die Savanne mit Gras, Busch und Akazien die Oberhand. Auf einem Baum saßen zwei afrikanische Fischadler mit ihren weißen Hauben und spähten übers Land. Sie ließen sich vom Motorengeräusch unseres Landcruisers nicht aufscheuchen. Wir störten sie nicht lange. Nach ein paar Fotos fuhren wir weiter.
Die Sonne brannte. Das ganze Land schien in einen Dornröschen-Schlaf gefallen zu sein. Ein Löwenpärchen lag faul im Schatten eines mannshohen Busches, ungefähr zwanzig Meter von unserem Auto entfernt. Im Wechsel hoben sie den Kopf, legten ihn dann wieder auf die Vorderpfoten und schlossen die Augen zum Dösen.
Ein Stück weiter, die Buschlandschaft wurde mittlerweile von einer weiten, kaum mit Gras bewachsenen Ebene abgelöst, graste eine Zebrastute mit ihrem wenige Wochen alten Fohlen. Es wackelte noch unsicher hinter seiner Mutter her.
Unermüdlich bahnte sich der Landcruiser seinen Weg durch den allgegenwärtigen Staub, hin zu den weniger staubigen Sumpflandschaften. Es war ein ständiger Wechsel zwischen staubigen und saftigen Flächen.
Vor einem Sumpfgebiet stakte ein afrikanischer Strauß futtersuchend zwischen einer Zebraherde hin und her. Die Zebras waren vom pickenden Vogel unbeeindruckt, ließen sich nicht aus der Ruhe bringen. Es entstanden einige schöne Fotografien von dieser Clique, die eingebettet in eine fruchtbare Landschaft, ein zauberhaftes Bild ergab.
Die Zeit war fortgeschritten. Zum Lunch mussten wir zurück ins Resort. Aber der Weg dorthin steckte voller fantastischer Bilder. Zebras, die sich im Staub wälzten, ein Zebra, das ein auf dem Boden faulenzendes mit dem Kopf stupste und bis zu diesem Zeitpunkt verborgene Tiere: Riedböcke, die im Gras ästen. Ein fantastisches Bild ergab auch eine ruhende Herde Flusspferde, die vor einem Sumpf im Sand lag und döste. Lediglich ein Tier stand auf seinen vier Beinen regungslos vor seiner Gruppe und beobachtete ein Gnu, das in unmittelbarer Nähe an ihnen vorbeitrabte.
Die Lunchtime störte. Sie dauerte viel zu lange. Auch Dorits sonst so erfolgreiche Überredungskünste
griffen vorerst nicht bei unserem Guide Caleb. Er bestand auf seine ausgedehnte Pause. Im Grunde verstand ich ihn, denn er musste uns an diesem heißen Tag die ganze Zeit hochkonzentriert mit dem Landcruiser durch die Unebenheiten der Savanne manövrieren.
Nach dem Essen verschwanden Jan, Justin und Julien in ihrem gemeinsamen Bungalow. Dorit und ich machten aus der Not eine Tugend und wanderten erneut durch den herrlich angelegten Park des Resorts. Es wurde zu einem unvergessenen Erlebnis. Wir waren fast alleine unterwegs. Hier und da trafen wir auf ein paar Bedienstete, die uns mit einem freundlichen »Jambo« grüßten. Wir erwiderten ebenso freundlich.
Unser Weg führte uns zu einem kleinen Wäldchen am Rande des Resorts. Dort säumten die letzten afrikanischen Bungalows unseren Weg, der ein paar Meter weiter abrupt zu Ende war. Im Schatten der Bäume hopsten einige Meerkatzen, suchend nach Futter, auf der Erde herum, andere knabberten am Boden, unbeeindruckt von unserer Anwesenheit, an irgendwelchen Früchten herum. Über uns sprangen ihre Artgenossen kreischend zwischen den Ästen der schattenspendenden Bäume. Wir genossen dieses Schauspiel eine geraume Zeit, bis wir zurückwanderten.
Dorit verabschiedete sich in unseren Bungalow. Mich zog es noch zur Terrasse des Hauptgebäudes. Ich schlich zwischen den leeren Liegestühlen, die auf dem Rasen um den Pool herum vegetierten, vorbei. Für einen Augenblick blieb ich stehen und bewunderte drei kleine Palmen, die im Verbund unmittelbar am Pool emporwuchsen. Die Hitze riss mich allerdings aus meinen Träumen und hetzte mich unter den schattigen Teil der Terrasse, wo eine Tasse Kaffee nach mir rief.
Nach ein paar Minuten saß ich gemütlich in einem weichen braunbeigen Sessel unter dem schützenden Dach der Terrasse. Vor mir dampfte eine Tasse schwarzen Kaffees auf einem kniehohen runden Tisch im afrikanischen Look, unmittelbar an der aus Bruchsteinplatten gemauerten, kniehohen Brüstung, die Terrasse und den Park des Resorts trennte. An den Enden des überdachten Teils der Terrasse, öffnete sich die kleine Mauer und lud über kleine Treppen zu einem Spaziergang im Park ein. Schmale mit Bruchsteinplatten gepflasterte Pfade schnitten sich durch eine grüne knöchelhohe Graslandschaft, aus denen kleine und mittlere schattenspendende Bäume und hüfthohe Büsche emporwuchsen, hinunter an einen Zaun, der Resort und Wildnis trennte. Unter einigen der Kühle spendenden grün belaubten Dächern, standen Stühle zu einem gemütlichen Kreis formiert. Ich bevorzugte allerdings die Terrasse. Hier war alles Wichtige in Reichweite: Kaffee und Plätzchen.
Von meinem Platz aus, der sich glücklicherweise zwischen zwei der eimerdicken, braun gebeizten Baumstämme, die das Terrassendach trugen, befand, bot sich mir ein zauberhafter Ausblick hinunter zu einer Impala-Herde, die jenseits des Zaunes graste. Am Horizont trabte gemütlich eine kleine Elefantenherde entlang. Die Szenerie strahlte eine himmlische Ruhe aus.
Auch ein Massai in traditioneller Tracht, ausgerüstet mit Speer und einer Steinschleuder, der lautlos auf der Terrasse hin und her patrouillierte, störte diesen Frieden nicht.
Die Stille wehrte allerdings nicht lange.
In den Ästen der Bäume, die unmittelbar an die Terrasse grenzten, und auf dem Boden vor der Brüstung tollten plötzlich einige Meerkatzen aufgeregt herum. Es schien, als würden sie etwas im Schilde führen. Dieser Eindruck sollte sich bald bestätigen.
Neben der Eingangstür zum Hauptgebäude, die sich schräg rechts hinter mir befand, stand ein kleiner hüfthoher Schrank aus Holz. Zwei Glastüren mit Holzrahmen und Messingknauf, gehalten von zwei Magneten, hielten verschiedene Teesorten in ihren Beuteln und verführerische Plätzchen unter Verschluss. Man musste schon kräftig ziehen, um an die Köstlichkeiten zu gelangen. Auf dem Schränkchen befanden sich ein Milchkännchen, ein Zuckertopf, Besteck und zwei Thermoskannen: Eine mit heißem Wasser und die andere mit Kaffee gefüllt.
Ein chinesisches Pärchen bediente sich gerade. Es nahm links neben mir am Nachbartisch Platz. Zwei Tassen Tee qualmten vor ihnen. Auf dem Unterteller des Mannes warteten zwei Plätzchen zum Genießen.
Plötzlich schnellte eine der Meerkatzen, die in der Nähe des chinesischen Pärchens auf dem Boden tollte, pfeilschnell auf die Brüstung, von dort auf deren Tisch, stibitzte einen Keks vom Rand des Untertellers und verschwand in Windeseile hinter einem Busch. Der Massai spannte fast ebenso schnell seine Schleuder und katapultierte einen Stein in Richtung der Meerkatze; er traf Gott sei Dank nicht. Ein ohrenbetäubender Lärm rauschte daraufhin in meinem Ohr, der eine geraume Zeit nachhallte. Die Blicke des Massais und die meinigen trafen sich. Meine Mimik musste mein Missfallen vehement zum Ausdruck gebracht haben, denn er begann mir zu erklären, dass er die kleinen Plagegeister nicht treffen, nur verscheuchen wollte.
Die Meerkatzen schienen von dem Geschehenen völlig unbeeindruckt zu sein. Denn nur einige Minuten später flitzte eine an mir vorbei, geradewegs auf den kleinen Schrank zu. Mit verblüffender Geschicklichkeit öffnete sie diesen, griff sich einige Kekse und Teebeutel und verschwand blitzschnell im Park. Mein Freund der Massai reagierte nicht einmal mehr, er resignierte. Schade war nur, dass ich wieder einmal meine Kamera nicht dabei hatte.
Zwischenzeitlich konnte Dorit unseren Guide Caleb doch noch überzeugen, dass Pausen vergeudete Zeit sind. Er war einsichtig und so fuhren wir eine halbe Stunde früher als geplant, in die von der Mittagssonne überflutete Savanne.
Wie auf Knopfdruck begaben wir uns beim Verlassen des Resorts in eine andere, märchenhafte Welt. Wir spürten weder die enorme Hitze noch den Staub, der allgegenwärtig in der Luft herumwirbelte, wenn unser Landcruiser über die Pisten der Savanne bretterte.
Der «Observation Hill« war an diesem Nachmittag unser Ziel. Von dort aus, so versprach uns Caleb, sollte man einen herrlichen ausladenden Rundblick übers umliegende Land haben, bis hin zum Kilimanjaro, wenn dieser nicht eingehüllt in
Wolken sich weigerte, gesehen zu werden.
Aber bis dorthin war es noch ein gutes Stück. Auf dem Weg zu unserem Ziel begegnete uns viel Spannendes. Die Hoffnung auf die Sichtung der noch fehlenden zwei der Big-Five, Leopard und Nashorn, fuhr mit.
Die Landschaft zog erneut in einem ständigen Wechsel zwischen Gras- und Savannenlandschaft und den grünen Sumpflandschaften mit ihren sich unter der afrikanischen Sonne spiegelnden Wasserflecken an uns vorbei.
Faszinierend waren immer wieder die Gefilde, in denen mächtige Schirmakazien, ihre kleineren Artgenossen, urige Baumgerippe und Wurzelwerke, die ihre letzten Tage fristeten, aus einem zart rötlichen Meer von Staub emporwuchsen.
Ein kleiner Palmenhain zog unsere Aufmerksamkeit auf sich. Wenn wir Bäume sahen, waren es in der Regel Akazien, hier aber stießen wir auf ein zauberhaftes Palmenwäldchen mit großen und kleinen Bäumen, die dicht gedrängt zusammenstanden. Vor diesem Gehölz lag ein einzelnes Gnu regungslos unter der heißen Sonne im Staub der Savanne. Es bot sich mir ein malerisches Bild, dem ich nicht widerstehen konnte. Ich bat Caleb anzuhalten, damit ich einige Fotos schießen konnte.
Auf unserem weiteren Weg präsentierten sich erneut Gnus, Zebras, Elefanten mit ihren Jungtieren und einige Riedböcke, aber leider hielten wir vergebens Ausschau nach Leopard und Nashorn.
Kurz vor dem »Observation Hill« durften wir noch eine Elefantenkuh mit ihrem Jungtier bestaunen, die sich in einem Sumpfgebiet tummelten.
Endlich hatten wir unser Ziel erreicht. Wir kraxelten den kleinen Berg hinauf. Die Aussicht war herrlich. Auch dieses Mal wollte sich der Kilimanjaro nicht in seiner ganzen Pracht vor meiner Kamera darbieten. Die Zeit dort oben verging rasend schnell. Nach einem Gruppenbild mit Selbstauslöser am Fuße des »Observation Hills« bretterten wir zurück zum Resort, das wir bis zum Anbruch der Dunkelheit erreicht haben mussten.
Nach dem Dinner meldeten sich Jan, Justin und Julien in ihre Unterkünfte ab. Dorit und ich genossen schweigend, den Lauten der nächtlichen Savanne lauschend, an der kniehohen Brüstung der Terrasse stehend, die sternenklare Nacht. Wir ließen unsere Blicke über den leicht abschüssigen Park schweifen, bis sich dieser in der Dunkelheit verlor. Plötzlich tauchte aus der Schwärze eine Tüpfelhyäne auf, schnürte in etwa zwanzig Meter Entfernung durch das schwachbeleuchtete Areal und verschwand unterhalb einiger Bungalows wieder in der Finsternis. Wir waren erstaunt, denn man hatte uns versichert, dass das Gelände komplett eingezäunt wäre. So plötzlich die Hyäne auf- und abtauchte, so plötzlich erschien der Massai vom Mittag in voller Tracht, mit Speer und Schleuder, hinter uns. Anscheinend spürte er unsere Verängstigung, denn er sprach uns an. Es entwickelte sich ein nettes und informatives Gespräch. Die Tiere würden nicht in die hellerleuchtete Umgebung kommen, dafür wären sie zu scheu, versuchte er, uns zu beruhigen. In diesem Moment hörten wir ein Heulen. Es war das unserer Hyäne. Wenige Augenblicke später tauchte ein ganzes Rudel aus dem Nichts auf, rannte durch den schwacherhellten Park und verschwand wieder in der Dunkelheit. Im folgenden Gespräch versuchte er alles, um uns zu beruhigen, mit mäßigem Erfolg, was meine Person anbelangte.
So interessant das Gespräch auch war, ich musste mich losreißen, denn ich hatte noch einen Termin mit Franzis. Dorit und der Massai vertieften das Gespräch über Fauna und Flora in Kenia.
An der Rezeption fragte ich nach Franzis. Es dauerte ein paar Minuten, ehe er erschien. Gemeinsam zogen wir los, hinaus in die Dunkelheit, in den nicht mehr erleuchteten Teil des Resorts. Ein leichtes Unbehagen rüttelte mich durch. Es funkelte uns ein klarer Nachthimmel an, von dem herunter uns der Mond leuchtete. Trotzdem verloren sich die Blicke nach etwas mehr als fünf Metern im schemenhaften nächtlichen Buschwerk, das uns rechts und links begleitete.
Unser Gespräch lenkte mich nicht wirklich von der unwirklichen, bedrohlichen Umgebung ab.
Irgendwann standen wir auf einer kleinen freien Fläche. Von hier aus hatte ich einen ungetrübten Blick auf einen herrlichen Sternenhimmel und eine überschaubare, mondbeschienene Ebene, die mit vereinzelten kleinen Bäumen und Buschwerk bewachsen war. Ich baute meine Fotoausrüstung auf und begann mit meinen Langzeitbelichtungen. Wir verbrachten eine gefühlte halbe Ewigkeit unter Kenias Sternenhimmel, bevor wir wieder zurück in den beleuchteten Teil des Resorts gingen. Es war trotz meiner Ängste ein herrlicher Ausflug, wenn auch das fotografische Ergebnis bescheiden ausfiel.
Fast zeitgleich trafen Dorit und ich in unserer Unterkunft ein. Sie hatte sich noch lebhaft mit dem Massai unterhalten.
Als ich die Nachttischlampe ausknipste, ging ein ereignisreicher Tag zu Ende. Allerdings hatte dieser Tag zwei Wermutstropfen:
Zum einen war es nicht nur unser erster, sondern auch gleichzeitig unser letzter Tag im Amboseli Nationalpark, denn gerechnet wurden die gebuchten drei Tage mit Ankunft und Abreise und zum zweiten, die restlichen zwei der Big-Five blieben uns verwehrt.
Eines war nun sicher: Wir mussten wiederkommen, darin waren Dorit, die Kinder und ich uns einig.
