Der Zauber Kenias – Kwa heri


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23.07.2015

Es hieß Abschied nehmen. Nach dem Frühstück verstauten wir unser Gepäck im Landcruiser. Es brannte mir im Herzen. Ich widersetzte mich dem Gedanken, am Nachmittag in einem Hotel am Indischen Ozean einzuchecken und die restlichen Tage in Kenia dort zu verbringen.
In meiner Welt war nur Platz für den Amboseli Nationalpark mit seiner traumhaften Landschaft, der Unbefangenheit der dort lebenden Tiere und die fesselnde Ruhe dieser zauberhaften Welt.
Wehmütig setzte ich mich in den Landcruiser. Das letzte Mal verließen wir den Parkplatz des Resorts zu einer Pirsch, zur letzten, ohne Wiederkehr.
Ein letztes Mal begrüßte uns ein Morgen im Amboseli Nationalpark. Unterwegs zum Ausgang des Nationalparks stoppte Caleb noch einige Male, so dass ich noch einige beeindruckende Landschaftsaufnahmen machen konnte. In einem kleinen Waldstück stießen wir auf einige Paviane, die am Wegrand umher liefen. Darunter war auch ein fantastisches Fotomotiv: ein Pavianbaby. Für einen Augenblick vergaß ich das Ziel unserer Reise. Weder in der Masai Mara noch in der zurückliegenden Zeit im Amboseli Nationalpark hatten wir diese Wesen zu Gesicht bekommen.
Für mich war es wie ein Geschenk des Amboseli, ein Abschiedsgeschenk.
Wir setzten unsere Fahrt fort. Irgendwann baute sich wieder das riesige Tor des Nationalparks vor uns auf; dieses Mal in der Funktion als Ausgangstor. Die Formalitäten waren schnell erledigt, sodass wir unsere Fahrt ohne lange Wartezeit fortsetzen konnten.
Unsere Route führte uns weiter auf einer Stein- und Geröllpiste durch die rote trockene Einöde.
Dösend lagen wir unter der Sonne Afrikas in unseren Sitzen, uns eine Klimaanlage wünschend, denn mit einer solchen Errungenschaft konnte unser Landcruiser nicht aufwarten. Die Fenster weit geöffnet, hofften wir auf Kühlung durch den Fahrtwind: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Eine riesige Staubwolke klebte an unserem Jeep, wie ein Blutegel, die uns bei langsamerer Fahrt einholte, sich durch die offene Fenster eine Mitfahrgelegenheit suchte. Gott sei Dank hatte ich die Kamera bereits eingepackt.
Irgendwann hörte das Rumpeln auf, wir hatten eine asphaltierte Hauptverkehrsstraße erreicht.
Wir brausten an Massai-Gehöften vorbei, die vereinzelt wie Pilze aus der Erde wuchsen: runde, hier und da auch rechteckige, mit Ried bedeckte kleine Bauten, mit braunen Wänden, aus roter Erde modelliert. Rinder über Rinder zogen an uns vorbei, von hochgewachsenen Massai stolz behütet. Allmählich genoss ich die an mir vorbeiziehende Landschaft, eine im Glanze der Sonne leuchtende rote Erde aus der exotische Bäume, Sträucher und riesige Kakteen emporwuchsen.
Diese Bilder schafften es allmählich, meine Stimmung zu heben.
Die Mittagspause verbrachten wir auf einer gesicherten Raststätte. Auch hier mussten wir, wie auf den anderen, durch eine riesige Verkaufshalle zur Toilette; auch hier konnte man uns nicht animieren, etwas zu kaufen.
Nach einer einstündigen Pause setzten wir unseren Weg fort. Caleb schlug uns eine Abkürzung vor. Schweigend akzeptierten wir seinen Vorschlag. Seine Abkürzungen bedeuteten in der Regel staubige Sand- und Geröllpisten. Unsere Vorahnungen wurden nicht enttäuscht. Staub aufwirbelnd holperten wir über eine Sandpiste, nebelten alles ein, was sich nicht in Sicherheit bringen konnte. Dazu gehörten auch wir. Der rötliche Sand klebte an unseren in Schweiß gebadeten Körpern. Als Entschädigung erhielten wir eine sich traumhaft präsentierende Landschaft. Die rote Erde, die haushohen Palmen und mannshohen Büsche, zwischen denen palmbedeckte Dächer, die auf braunen oder roten Wänden ruhten, hervorlugten, ein wolkenloser blauer Himmel, exotische Laute und Düfte, die gemächlichen Bewegungen der Menschen, die herumspringenden spielenden Kinder wühlten in mir ein überwältigendes, tief einprägendes Bild von Afrika hervor.
Plötzlich trat Caleb voll in die Eisen. Er riss mich abrupt aus meinen Träumereien. Langsam setzte er den Landcruiser ein paar Meter zurück. Neben unserem Auto lag eine Schlange: eine Buschviper. Schweigend schaute ich nach unten, dann betrachtete ich die Umgebung. Auf beiden Seiten der Piste waren Ansiedlungen. Kinder spielten lautstark, Menschen saßen gemütlich am Straßenrand oder gingen ihren Alltagsbeschäftigungen nach und mittendrin lag dieses gefährliche Reptil, dessen Gift dich in wenigen Stunden ins Jenseits befördert: Diese traumhafte Welt hatte auch eine Schattenseite. Scheinbar lebten die Einheimischen unbeeindruckt von dieser in ihrer Umgebung.
Die Fahrt ging weiter. Noch viele kleine Dörfer zogen an uns vorbei, die eingebettet in eine verzaubernde Natur, uns ein magisches Bild vermittelten.
Irgendwann tauchte dann die Ostküste auf. Erst als der Landcruiser durch das mächtige Tor unserer Hotelanlage fuhr, erwachte ich aus meinen Träumereien.

Die folgenden Tage, die zur Erholung gedacht waren, verdienen sich im Nachhinein eine gewisse Existenzberechtigung. Ein Schnorchelausflug, der Besuch der Insel Wasini und ein Abendessen in einem „Korallenriffrestaurant“ trugen dazu bei, dass diese Zeit in angenehmer Erinnerung bleibt. Konkurrieren kann sie allerdings nicht mit den Erlebnissen unserer Safari.
Leider haben wir die Big Five nicht in ihrer Gesamtheit gesehen: Nashorn und Leopard fehlen noch. Deshalb haben wir bereits eine weitere Afrikareise geplant.

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